Wenn wir einen weichen Pullover berühren oder ein Neugeborenes in eine Babydecke aus Merinowolle wickeln, sehen wir nur das Endergebnis eines viel längeren Weges.
Bevor Wolle zu einem Kleidungsstück wird, ist sie eine Rohfaser, die den Körper des Schafes bedeckt. Sie muss gewonnen, sortiert, gewaschen und in mehreren Schritten verarbeitet werden, von denen jeder die Eigenschaften des späteren Garns mitbestimmt.
Doch wie entsteht Wolle? Woher kommt sie genau und welche Verarbeitungsschritte durchläuft sie, bevor sie in einen Strickwarenbetrieb gelangt?
Der Weg lässt sich in folgende Phasen unterteilen:
Jede Phase erfordert unterschiedliche Kompetenzen. Die endgültige Qualität hängt nicht nur vom Tier ab, von dem die Faser stammt, sondern auch von Feinheit, Länge, Festigkeit und allen anschließenden Verarbeitungsschritten.
Wolle ist eine natürliche Textilfaser tierischen Ursprungs, die hauptsächlich aus dem Vlies von Schafen und Lämmern gewonnen wird.
Strukturell besteht sie vor allem aus Keratin, einem Faserprotein, das auch in Haaren und Nägeln vorkommt. Die Oberfläche der Faser besteht aus kleinen, überlappenden Schuppen, während der innere Bereich hauptsächlich aus dem Kortex besteht.
Wolle besitzt außerdem eine natürliche Kräuselung, den sogenannten Crimp, der dazu beiträgt, Luftzwischenräume zwischen den Fasern zu schaffen und Volumen, Elastizität und Isolationswirkung des Materials beeinflusst.
Es ist wichtig, zwischen Faser und Garn zu unterscheiden:
Wolle im engeren Sinne stammt aus dem Vlies des Schafes der Art Ovis aries.
Es gibt zahlreiche Schafrassen, die jeweils Fasern mit unterschiedlichen Eigenschaften hervorbringen können hinsichtlich:
Auch geografische Herkunft, Klima, Ernährung, Alter des Tieres und Haltungsbedingungen können die Eigenschaften des Vlieses beeinflussen. Deshalb gibt es nicht nur eine einzige Art von Wolle: Manche Fasern sind sehr fein und für körpernah getragene Kleidungsstücke geeignet, während robustere Fasern für Decken, Bezüge und Heimtextilien eingesetzt werden können.
Zu den bekanntesten Rassen gehört das Merinoschaf, das für seine besonders feinen Fasern geschätzt wird.
Der Begriff “Merino” beschreibt jedoch nicht allein die vollständige Qualität des Garns. Für eine Beurteilung müssen auch der durchschnittliche Faserdurchmesser, die Länge, die Gleichmäßigkeit und die Art der Verarbeitung berücksichtigt werden.
Das Vlies ist die Faserschicht, die den Körper des Schafes bedeckt.
Es ist nicht vollkommen einheitlich. Selbst innerhalb desselben Tieres können Unterschiede bei Feinheit, Länge, Sauberkeit und Festigkeit der Fasern bestehen.
Fasern aus verschiedenen Körperbereichen können daher getrennt und unterschiedlichen Verarbeitungszwecken zugeführt werden.
Es ist jedoch nicht korrekt, eine allgemeingültige Karte aufzustellen, nach der ein bestimmter Körperbereich immer “besser” und ein anderer zwangsläufig minderwertig wäre. Die Bewertung hängt von Rasse, Tier und den Eigenschaften der jeweiligen Partie ab.
Deshalb wird die Wolle nach der Schur sorgfältig sortiert und klassifiziert.
Der erste Schritt der Gewinnung ist die Schur, also das Entfernen des Vlieses vom Körper des Schafes.
Sie wird von geschulten Scherern mit speziellen Werkzeugen und Techniken durchgeführt, die darauf ausgerichtet sind, das Tier respektvoll zu behandeln und die Fasern möglichst unbeschädigt zu erhalten.
Wenn es die Technik erlaubt, wird das Hauptvlies in einem großen Stück abgenommen. Anschließend wird es ausgebreitet und den Fachkräften für die Sortierung übergeben.
Die Schur lässt sich in mancher Hinsicht mit dem Schneiden von Haaren vergleichen: Die Faser wächst nach und kann erneut gewonnen werden. Gerade die Fähigkeit des Vlieses, sich zu erneuern, macht Wolle zu einer natürlich erneuerbaren Faser.
Häufigkeit und Zeitpunkt der Schur können variieren je nach:
Nicht alle Schafe werden daher zur selben Zeit oder auf identische Weise geschoren.
Die Qualität der Faser lässt sich nicht von den Lebensbedingungen der Tiere trennen.
Eine verantwortungsvolle Haltung sollte berücksichtigen:
Internationale Richtlinien zum Wohl von Schafen erkennen an, dass die Praktiken an Rassen, Produktionssysteme und klimatische Bedingungen der verschiedenen Länder angepasst werden müssen.
Für ein Unternehmen, das Garne einkauft, sind Rückverfolgbarkeit und Lieferantendokumentation daher wichtige Elemente, um nicht nur die technischen Eigenschaften der Faser, sondern auch ihre Herkunft und ihren Weg entlang der Lieferkette zu verstehen.
Nach der Schur wird das Vlies ausgebreitet und kontrolliert.
In dieser Phase werden Bereiche mit unterschiedlichen Eigenschaften oder einem höheren Anteil an Verunreinigungen getrennt.
Bei der Klassifizierung können berücksichtigt werden:
Wolle ist ein Naturmaterial, daher kann jede Partie variieren. Deshalb werden die Lose mit spezifischen Tests analysiert, die Parameter wie Mikronzahl, Länge, Stapelfestigkeit, Farbe und Anteil pflanzlicher Verunreinigungen messen.
Fasern mit ähnlichen Eigenschaften werden zusammengefasst, um möglichst homogene Partien zu erhalten, die für die vorgesehene Verarbeitung geeignet sind.
Die Mikronzahl bezeichnet den durchschnittlichen Durchmesser der Fasern.
Ein Mikron beziehungsweise Mikrometer entspricht einem Millionstel Meter.
Der Durchmesser beeinflusst wesentlich, wie sich das Material auf der Haut anfühlt und wofür es eingesetzt werden kann. Feine Wolle wird häufig für weiche Kleidungsstücke verwendet, die direkt auf der Haut getragen werden können; gröbere Fasern können bevorzugt werden, wenn mehr Struktur und Widerstandsfähigkeit gefragt sind.
Die Mikronzahl ist jedoch nicht der einzige zu berücksichtigende Parameter.
Direkt nach der Schur ist Wolle noch nicht bereit zum Spinnen.
Das Rohvlies kann enthalten:
Deshalb wird es einer industriellen Wäsche, auch Scouring genannt, unterzogen.
Die Wolle wird durch Becken mit Wasser und Waschmitteln geführt. Die Parameter werden kontrolliert, um Fett und Schmutz zu entfernen, ohne die Fasern zu beschädigen. Anschließend wird sie gespült, getrocknet und für die folgenden Schritte vorbereitet.
Der Prozess muss sorgfältig gesteuert werden. Falsche Temperaturen, Bewegungen oder Behandlungen könnten fördern:
Ein Teil der beim Waschen entfernten Fettstoffe kann zurückgewonnen und raffiniert werden, um Lanolin zu gewinnen, das in verschiedenen industriellen und kosmetischen Anwendungen eingesetzt wird.
Die gewaschene Wolle setzt ihren Weg dagegen als lockere, saubere, aber noch ungeordnete Fasermasse fort.
Nach dem Waschen können die Fasern noch in kleinen Büscheln zusammenliegen und miteinander verheddert sein.
Das Kardieren dient dazu:
Während des Prozesses läuft die Wolle über Walzen mit feinen Metallzähnen, die die Fasern schrittweise kämmen und verteilen.
Das Ergebnis ist ein gleichmäßigeres Faservlies, das anschließend zu Bändern oder Vorgarnen verdichtet und für die nächsten Arbeitsschritte vorbereitet wird.
Das Kardieren ist sowohl im Streichgarn- als auch im Kammgarnsystem ein grundlegender Schritt, der weitere Prozess unterscheidet sich jedoch.
Nach dem Kardieren kann Wolle im Wesentlichen zwei Verarbeitungssystemen folgen:
Es handelt sich nicht um zwei absolute Qualitätsstufen, sondern um zwei Verfahren, die Garne mit unterschiedlichem Aussehen und Verhalten hervorbringen.
Im Streichgarnsystem liegen die Fasern weniger parallel und können auch kürzere Faserlängen enthalten.
Das daraus entstehende Garn ist in der Regel:
Es wird häufig für Strickmode mit warmer, weicher und voluminöser Optik verwendet.
Mehr über kardierte Wolle erfahren.
Im Kammgarnsystem werden die Fasern nach dem Kardieren zusätzlich ausgerichtet.
Das Kämmen ermöglicht:
Kammgarn ist daher tendenziell:
Im Kammgarnsystem werden im Allgemeinen längere Fasern eingesetzt, während das Streichgarnsystem auch kürzere Fasern sinnvoll nutzen kann.
Mehr über gekämmte Wolle erfahren.
Die Wahl zwischen Streichgarn und Kammgarn hängt vom gewünschten Ergebnis ab.
Ein weiches und voluminöses Garn ist nicht automatisch besser als ein glattes und feines und umgekehrt. Es handelt sich um Materialien für unterschiedliche Kleidungsstücke, Verarbeitungen und Tragegefühle.
Nachdem die Fasern gereinigt und vorbereitet wurden, werden sie durch das Spinnen zu einem kontinuierlichen Faden verarbeitet.
In dieser Phase werden sie:
Die Drehung hält die Fasern zusammen und verleiht dem Garn Eigenschaften wie:
Menge und Richtung der Drehung können das Verhalten des Garns deutlich verändern.
Eine stärkere Drehung kann zu einem kompakteren und definierteren Garn führen; eine andere Zwirnung kann zusammen mit Fasertyp und Spinnsystem ein weicheres und voluminöseres Ergebnis erzeugen.
Das Spinnen muss daher entsprechend dem späteren Einsatzzweck geplant werden: Eine Babydecke, ein dünner Strampler und ein Strickmantel benötigen nicht zwangsläufig dieselbe Garnart.
Der erste produzierte Faden kann einzeln verwendet oder mit weiteren Fäden kombiniert werden.
Werden zwei oder mehr Fäden miteinander verdreht, entsteht ein mehrfädiges beziehungsweise gezwirntes Garn.
Dies kann beeinflussen:
Deshalb können selbst bei identischer Zusammensetzung zwei Garne sehr unterschiedliche Strickwaren ergeben.
Wolle kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten des Produktionsprozesses gefärbt werden.
Die Färbung kann erfolgen:
Die Wahl hängt vom gewünschten Ergebnis, der Produktionsmenge und der Art der Verarbeitung ab.
Werden Fasern vor dem Spinnen gefärbt, können beispielsweise unterschiedliche Farbtöne gemischt und Mélange-Effekte erzeugt werden. Die Garnfärbung ermöglicht dagegen gleichmäßige Farben, die direkt auf den Strickmaschinen verwendet werden können. Die Stückfärbung eröffnet weitere ästhetische und produktionstechnische Möglichkeiten.
Auch diese Phase erfordert präzise Kontrollen, um Folgendes zu erreichen:
Erst nach all diesen Schritten ist das Garn bereit für den Strickwarenbetrieb. Hier beginnt unsere eigentliche Arbeit.
Hier beginnt die inzwischen zu Garn verarbeitete Faser die Form anzunehmen von:
Das Garn wird auf Strickmaschinen verarbeitet, die eingestellt werden entsprechend:
Die Feinheit bezeichnet die Anzahl der Nadeln innerhalb eines bestimmten Maschinenmaßes und beeinflusst die Dicke der Strickware.
Vereinfacht gesagt:
Dieselbe Faser kann daher je nach verwendetem Garn und Maschine ein sehr leichtes Kleidungsstück oder eine vollere, strukturiertere Strickware ergeben.
Je nach Produktionssystem kann die Strickware aus geformten Einzelteilen hergestellt werden, die anschließend zusammengesetzt werden, oder mithilfe von Technologien, die das Kleidungsstück mit einer geringeren Anzahl an Nähten erzeugen.
Anschließend folgen Arbeitsschritte wie:
In diesen Phasen wird das Garn endgültig zu einem Kleidungsstück, das zum Tragen bestimmt ist.
Allgemein von “hochwertiger Wolle” zu sprechen, reicht nicht aus.
Qualität sollte immer in Bezug auf den jeweiligen Verwendungszweck bewertet werden.
Zu den wichtigsten Faktoren gehören:
Er beeinflusst das Gefühl auf der Haut und die Möglichkeit, das Kleidungsstück direkt auf dem Körper zu tragen.
Lange und regelmäßige Fasern können besonders gut für das Kammgarnspinnen geeignet sein. Kürzere Fasern lassen sich dagegen sehr gut im Streichgarnsystem einsetzen.
Eine Faser muss die Verarbeitungsschritte überstehen, ohne übermäßig zu brechen.
Eine möglichst gleichmäßige Länge und ein gleichmäßiger Durchmesser tragen zu konstanteren Garnen bei.
Eine helle und gleichmäßige Ausgangsbasis ermöglicht in der Regel mehr Freiheit beim Färben.
Die Menge an tatsächlich nutzbarer Faser nach dem Entfernen von Fett, Staub und pflanzlichen Bestandteilen beeinflusst Wert und Verwendungszweck der Partie.
Streichgarn und Kammgarn erzeugen unterschiedliche Ergebnisse und sollten passend zum herzustellenden Kleidungsstück gewählt werden.
Sie bestimmen Dicke, Festigkeit, Kompaktheit und Definition.
Auch das beste Garn muss richtig verarbeitet werden. Spannung, Maschenbild, Formgebung, Wäsche und Ausrüstung beeinflussen das Endergebnis.
Es gibt daher nicht die eine, universell “beste” Wolle: Entscheidend ist die Faser, die am besten zum jeweiligen Verwendungszweck passt.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden viele tierische Fasern häufig unter dem Begriff “Wolle” zusammengefasst.
Ihre Herkunft ist jedoch unterschiedlich:
| Faser | Tierischer Ursprung |
|---|---|
| Wolle | Vlies von Schaf oder Lamm |
| Kaschmir | Unterwolle der Kaschmirziege |
| Mohair | Haar der Angoraziege |
| Angora | Haar des Angorakaninchens |
| Alpaka | Faser des Alpakas |
| Lama | Faser des Lamas |
| Vikunja | Faser des Vikunjas |
Die europäische Gesetzgebung unterscheidet diese Bezeichnungen und ordnet jede Faser ihrem jeweiligen Ursprungstier zu.
Es ist daher präziser, von tierischen Fasern zu sprechen, wenn sie in einer gemeinsamen Kategorie zusammengefasst werden sollen.
Kaschmir, Alpaka und Mohair sind keine Arten von Schafwolle, auch wenn im kommerziellen Sprachgebrauch Bezeichnungen wie “Kaschmirwolle” oder “Alpakawolle” vorkommen können.
Hier erklären wir den Unterschied zwischen Wolle und Kaschmir. Blog lesen.
Merinowolle stammt von Schafen der Merinorasse.
Sie ist vor allem für die Feinheit ihrer Fasern bekannt, wodurch sie sich auch für Garne eignet, die für körpernah getragene Kleidungsstücke bestimmt sind.
Das bedeutet nicht, dass jede Merinowolle identisch ist.
Unterschiede können bestehen bei:
Mikronzahl;
Länge;
Gleichmäßigkeit;
Herkunft;
Spinnsystem;
Anzahl der Garnfäden;
Zwirnung;
Behandlung;
Verarbeitung.
Bezeichnungen wie Extrafine, Ultrafine oder andere Klassifizierungen sollten immer zusammen mit den technischen Angaben des Garns interpretiert werden und nicht nur als werbliche Begriffe.
Mehr über diese Faser erfahren Sie in unserem Ratgeber über Merinowolle: Eigenschaften und Merkmale.
Die Bezeichnung reine Schurwolle bedeutet nicht, dass die Faser nicht gewaschen, gefärbt oder verarbeitet wurde.
Der Begriff “Schurwolle” bedeutet, dass die Wolle zuvor nicht Bestandteil eines fertigen Produkts war und anschließend für eine erneute Verwendung zurückgewonnen wurde.
Die Begriffe “100 %”, “rein” oder “ganz” sind nach europäischer Gesetzgebung dagegen Produkten vorbehalten, die aus einer einzigen Textilfaser bestehen, abgesehen von den vorgesehenen technischen Toleranzen.
Kurz zusammengefasst:
Dieses Thema verdient eine eigene Vertiefung, denn wer das Etikett richtig liest, versteht besser, was tatsächlich gekauft wird.
Zwei Kleidungsstücke mit der Angabe “100 % Wolle” können sich in Griff, Gewicht und Optik deutlich unterscheiden.
Dafür kann es viele Gründe geben:
Schafrasse;
Faserdurchmesser;
Länge;
Kardieren oder Kämmen;
Garnfeinheit;
Anzahl gezwirnter Fäden;
Zwirnung;
Behandlung;
Maschinenfeinheit;
verwendetes Maschenbild;
Dichte;
Wäsche;
Ausrüstung.
Ein leichter und kompakter Rundhalspullover aus gekämmter Merinowolle hat nicht dieselbe Oberfläche wie ein voluminöser Pullover aus Streichgarn, selbst wenn beide vollständig aus Wolle bestehen.
Die Prozentangabe auf dem Etikett ist daher unverzichtbar, erzählt jedoch nicht die gesamte Geschichte des Materials.
Die Verarbeitung von Wolle umfasst viele unterschiedliche Berufsgruppen:
Jeder Arbeitsschritt bringt Wissen ein und trägt dazu bei, eine Naturfaser in ein präzises, gleichmäßiges und für die Produktion geeignetes Material zu verwandeln.
Wenn wir ein fertiges Kleidungsstück betrachten, sehen wir das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit: von der Haltung der Schafe über die Auswahl des Garns bis hin zur letzten Kontrolle des Produkts.
Wolle ist zunächst eine Faser. Sie wird erst zum Garn, nachdem sie gereinigt, vorbereitet und gesponnen wurde.
Kaschmir, Alpaka, Mohair und Angora stammen von unterschiedlichen Tieren und besitzen eigene Faserbezeichnungen.
Feinheit, Länge und Festigkeit können selbst innerhalb desselben Vlieses variieren.
Der Durchmesser ist wichtig, sollte jedoch zusammen mit Länge, Festigkeit, Gleichmäßigkeit, Spinnverfahren und Verarbeitung betrachtet werden.
Streichgarn und Kammgarn sind zwei unterschiedliche Systeme. Ersteres kann voluminöse und weiche Garne erzeugen, letzteres glattere und gleichmäßigere.
Schurwolle kann gewaschen, gefärbt, gesponnen und ausgerüstet werden. Der Begriff bezieht sich auf die vorherige Nutzung der Faser und nicht auf das Fehlen von Verarbeitung.
Die Angabe “100 % Wolle” beschreibt die Zusammensetzung, sagt allein jedoch nichts über Feinheit, Spinnverfahren, Verarbeitung oder Passform des Kleidungsstücks aus.
Wolle im engeren Sinne stammt aus dem Vlies von Schafen und Lämmern. Kaschmir, Mohair, Angora und Alpaka sind andere tierische Fasern, die jeweils von Ziegen, Kaninchen beziehungsweise Kameliden stammen.
Wenn die Schur von geschulten Fachkräften mit korrekten Techniken durchgeführt wird, wird das Vlies in einer Weise entfernt, die in mancher Hinsicht mit dem Schneiden von Haaren vergleichbar ist. Dabei müssen Gesundheit, Verhalten und Wohlbefinden des Tieres berücksichtigt werden.
Frisch geschorenes Vlies enthält natürliches Fett, Staub, Erde, Schweiß und pflanzliche Rückstände. Die Wäsche entfernt einen großen Teil dieser Verunreinigungen und bereitet die Faser für die weitere Verarbeitung vor.
Bei kardierter Wolle bleiben die Fasern weniger stark ausgerichtet und das Garn ist in der Regel voluminöser und weicher. Im Kammgarnsystem werden die Fasern stärker parallelisiert und kürzere Fasern entfernt, wodurch ein glatteres und gleichmäßigeres Garn entsteht.
Ein Mikron ist die Einheit zur Messung des Faserdurchmessers. Es entspricht einem Millionstel Meter. Ein niedrigerer Wert bezeichnet eine feinere Faser.
Beides ist möglich. Die Färbung kann an der Faser, am Kammzug, am Garn, an der Strickware oder am fertigen Kleidungsstück erfolgen, abhängig vom gewünschten Ergebnis.
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird Kaschmir häufig als Wolle bezeichnet, technisch handelt es sich jedoch um die Unterwolle der Kaschmirziege. Wolle im engeren Sinne stammt dagegen von Schafen.
Sie bezeichnet Wolle, die zuvor nicht in einem fertigen Produkt verwendet und anschließend zurückgewonnen wurde. “Rein” oder “100 %” bedeutet dagegen, dass das Produkt aus einer einzigen Textilfaser besteht.
Sie hängt vor allem vom Durchmesser und von der Gleichmäßigkeit der Fasern ab, aber auch von Länge, Spinnverfahren, Zwirnung, Maschenbild und Ausrüstung des Kleidungsstücks.
Nein. Sie kann sich hinsichtlich Mikronzahl, Länge, Herkunft, Spinnsystem, Zwirnung, Verarbeitung und Behandlung unterscheiden.
Zu verstehen, wie Wolle entsteht, bedeutet, über das fertige Kleidungsstück hinauszublicken.
Alles beginnt mit dem Vlies des Schafes, einem Naturmaterial, dessen Fasern sich in Feinheit, Länge, Farbe und Festigkeit unterscheiden können. Nach der Schur wird die Wolle sortiert, analysiert, gewaschen und durch Kardieren sowie, wenn vorgesehen, durch Kämmen vorbereitet.
Erst durch das Spinnen werden die einzelnen Fasern zu einem kontinuierlichen Garn, das anschließend gefärbt und in der Strickerei verarbeitet werden kann.
Danach kommen Formgebung, Maschenbilder, Konfektion, Wäsche, Ausrüstung und Qualitätskontrolle ins Spiel: Arbeitsschritte, die aus dem Garn einen Strampler, eine Babydecke, eine Strickjacke oder einen Pullover machen.
Jedes Wollkleidungsstück enthält daher eine lange Kette an Fachwissen. Wer sie kennt, versteht besser, warum Zusammensetzung, Herkunft und Mikronzahl wichtig sind, aber auch, warum sie nie unabhängig von der Verarbeitung des Garns betrachtet werden sollten.
Vom Vlies bis zum fertigen Kleidungsstück verändert Wolle viele Male ihre Form. Was bleibt, sind ihr natürlicher Ursprung und das Fachwissen, das nötig ist, um daraus Strickmode zu schaffen, die uns über lange Zeit begleiten kann. 🧶🤍
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